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Kap Horn 2010 Drucken

 

Ein Reisebericht von Willi Jörg / auf die Homepage gestellt am 11.4.2010

 

Der Segelclub in Wörth hat seit Mitte März 2010 zwei echte Kap Horniers

Der Anfang ist gemacht.

Nach 16 Stunden Flug erreichen wir, das sind Frank und Willi, Ushuaia, die südlichste Stadt der Welt, wo Asphaltstrassen in Schotterpisten übergehen.

Unser langjähriger Traum war wie ein Stachel. Er hielt unsere Neugierde wach. Gepackt vom Mythos Kap Horn war uns klar, dass dieser Törn nichts mit dem Blues vorangegangener Karibik-Törns gemeinsam haben würde. Wohin wir auch hörten, überall begegnete uns Skepsis und Abraten.

Uns reizte aber die Herausforderung etwas zu wagen, was bisher nur wenige Hobbysegler gewagt haben. Segeln in diesen Breiten ist nicht nur Freiheit und Begeisterung, sondern auch Abenteuer und richtige Auseinandersetzung mit den Naturgewalten Wind und See.

Der Weg vom Hotel in Ushuaia zum Hafen führt uns nochmal vorbei an spätsommerlichen Margeriten, die sich tapfer gegen den immerwährenden Wind Patagoniens stemmen. Unser Schiff, die Tari 2, ist eine 45 Fuß Yacht in den besten Jahren. Keine Yacht von der Stange, sondern aus Aluminium konstruiert für höchste Belastungen.

Wir übernehmen unsere Kojen und beginnen unsere Heimat für die nächsten Tage zu befühlen und zu beschnuppern. Skipper Micki hat für 10 Tage Proviant gebunkert, vorsichtshalber. Die erste Nacht im Hafen bleibt noch ruhig, nur das Knattern der argentinischen Flagge im Wind ist gewöhnungsbedürftig.

Auf den Spuren von Magellan und Sir Francis Drake, umgeben von der Kulisse schneebedeckter Berge, haben wir 150 Seemeilen vor uns, wenigstens. Noch hüllt uns im geschützten Beagle-Kanal keine Gischt ein. Wir starten bei Sonnenschein und angenehmen Temperatuten um 10 Grad.

Am 2. Tag dann auf See sind Handgriffe, Geräusche und Gerüche allmählich vertraut geworden. Wir fühlen uns so langsam zuhause. Unser Schiff liegt gut im Trimm und den ganzen Tag begleiten uns Delphine, Albatrosse, ja sogar Pinguine. Doch je südlicher wir kommen, desto mehr legt der Wind zu und im gleichen Maße gehen die Temperaturen zurück. Ab dem 3. Tag fällt das Bordbarometer stetig und deckt sich mit dem Seewetterbericht. Unsere einzige Nabelschnur zur Außenwelt besteht von jetzt an nur noch aus einem Iridium- Satellitentelefon, über das wir regelmäßig von der chilenischen Marine mit Wetterdaten versorgt werden.

Am vierten Tag befinden wir uns bereits südlich des 55. Breitengrades. Jetzt beginnt das Revier seinen wahren Charakter zu zeigen. Der Wind legt innerhalb 1 Stunde auf 7-8 Beaufort zu und hat eine gewaltige Wellenhöhe aufgebaut. Die See, sonst immer tief blau, hat sich in ein ungutes Schwarz verwandelt. Schwere Regenwolken rasen in geringer Höhe über uns hinweg und ausgerissene Wolkenfetzen kündigen heftigste Schauer an. Wir binden an Deck alles fest was uns die See nicht nehmen darf. Unsere Tari 2 hält sich tapfer, macht aber gewaltige Sprünge in der kochenden See. Wer jetzt über Bord geht ist im eiskalten Wasser rettungslos verloren. Es sind erste Ausfälle durch Seekrankheit zu beklagen. Zudem peitschen uns waagrecht kommende Regentropfen wie Nadeln ins Gesicht. Die Außentemperatur ist auf 4 Grad gefallen und selbst Thermounterwäsche mit mehreren Zwiebelschichten plus Ölzeug können nicht verhindern, daß wir frieren.

Laut Kalender ist zwar Sommer auf der Südhalbkugel aber weiße Wasserlandschaften und Eiseskälte erinnern uns doch eher an einen strengen Winter. Jetzt fehlt nur noch Schneefall.

Längst haben wir die Segel auf Sturmstärke gerefft. Da aber der Wind gedreht hat brauchen wir zusätzlich alles was in der Maschine drinsteckt, um doch noch das nächstgelegene Sturm-Hole sicher zu erreichen. Gerade noch rechtzeitig vor Einbruch der Dunkelheit liegt unsere Tari 2 mit 60 Meter Ankerkette und 2 Heckleinen zum Land sicher für die Nacht. Der Wind hat weiter zugelegt, wir haben jetzt Windstärke 10-12. Schwerer Sturm. Der Wind pfeift durch die Takelage und rüttelt am tonnenschweren Rumpf. Erst gegen Morgen macht auch der Sturm ein kleines Nickerchen. Der Spuk ist vorbei.

Delphine spielen wieder am Bug. Sie lösen in uns Freude und Ruhe aus, wie wir sie bisher nur auf See erlebt haben. Später am Vormittag taucht Kap Horn am Horizont auf. Bald ein Grund zum Feiern. In unserem schweren Ölzeug umrunden wir das Kap. Am Felsen brechen sich 4-5 Meter hohe Wellen, wieder fliegt die Gischt. Zur Feier des Tages spendiert unser Skipper eine Flasche Champagner. Unsere Seelen drehen bei, die Luft schmeckt nach Salz.

Ein stiller Moment voller Zufriedenheit. Wir haben es geschafft.

Jetzt sind wir Kap Horniers.

 

 
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