Heimatrevier und Ostsee
Unter Spi im Hafen

Macht das denn Spass? fragte mich ein Küstensegler, mit dem ich im Hafen von Laboe ins Gespräch kam, nachdem ich ihm von unserem Hausrevier erzählt hatte. Unser Hausrevier liegt nämlich weit ab der Meeresküste im tiefsten Binnenland. Es ist ein zu einem Hafen erweiterter Altrheinarm. Auf der einen Seite umgeben von Rheinauenwald, auf der anderen Hafenanlagen und eine jetzt stillgelegte Raffinerie. Von den Steganlagen am einen Ende bis zur Rheinmündung am anderen Ende des Sees sind es ca. 2 km Länge und dazwischen 200m bis 500m Breite. Drei verschieden große Inseln und ein beweglicher Schwimmbagger runden das Bild ab.

 

Und es macht Spass! Ich glaube, ich spreche im Sinne vieler Vereinskameraden, die nicht nur im Urlaub, an fernen Küsten, sondern das ganze Jahr über sich auf und am Wasser wohl fühlen und das Segeln nicht nur auf 2-3 Wochen im Jahr beschränken wollen. Ankerbucht im Hafen Wörth

 

Trotzdem fuhren wir seit 1995 jeden Sommer, mit all den Umständen wie Mast legen, auskranen, Boot reiseklar machen und dann die lange Autofahrt, Richtung Norden an die Ostsee, denn wir wollen nicht nur von großen Wasser träumen.

Wir kannten das Revier nur von unserer BR-Schein-Übungskarte her und aus Büchern. So hatten wir doch ein mulmiges Gefühl, als wir gleich beim ersten Probeschlag, auf der Großen Breite, im Innenbereich der Schlei, schon Wind und Wellen erlebten, die wir von Zuhause nicht kannten. Wie mag das dann erst draußen auf der offenen Ostsee abgehen?
Doch die Ostsee bei Schleimünde empfing uns mit mäßigen Winden. So konnten wir, wie in den folgenden Jahren bei meist schönem (sonnigem) und warmem Wetter viele Häfen an der deutschen und dänischen Küste und auf Inseln anlaufen.

Baden in der Ostsee

Unsere Törns führten uns, meine Frau, meine zwei Töchter, unsere Xenia (Delanta 76) und mich, im ersten Jahr durch die Flensburger Förde und die dänische Südsee.

Im folgenden Jahr (weil jetzt mutiger und ortskundiger) segelten wir in nördlicher Richtung durch den Kleinen Belt über Bogense unter der Großen-Belt-Brücke hindurch zurück zur Schei.

Im dritten Jahr ging es Richtung Osten über Bagebkop, Bandholm,Omö und Langeland.

Nachdem es 1997 drei Wochen lang während unseres Urlaubes nicht geregnet hatte, wurden wir 1998 gleich am ersten Tag an unserem neuen Ausgangshafen Großenbrode gleich mehrmals nass und es wehte ein kalter kräftiger Wind. Mit der richtigen Bekleidung und Vertrauen in unser Boot, tat mir doch jedes harte Einklatschen in die Wellen am Anfang mehr weh als unserer Xenia.

Segeln auf der Ostsee So ging es über Rödby, Gedser bis Klintholm und Femö, Langeland, Kiel zurück nach Großenbrode.

Und dann auf der Heimfahrt freut man sich doch auch wieder auf das Heimatrevier, obgleich es doch mehr Spaß macht, wenn der Spi stundenlang stehen bleiben kann und nicht nur 20 bis 30 Minuten auf unserem See mit all seinen Tücken und Winddrehungen.

Im nächsten Urlaub geht es bestimmt wieder an die Ostsee und davor und danach segeln wir auf unserem See unzählige Male rauf und runter.

Klar doch, oder?
Rudolf Diepold (RKC-Wörth)